Wie der Weihnachtsmann zu seinem ersten Adventskalender kam

Mitten im dichten Wald wohnt der Weihnachtsmann allein in einem kleinen Haus. Hier schläft er und ruht sich von der anstrengenden Arbeit im Winter aus, denn er ist ja schon ein sehr alter Mann. Als der Weihnachtsmann noch jünger war, schneite es immer dichte Flocken zu Weihnachten. Er brauchte keinen Kalender, um zu wissen, wann Heilig-Abend war.

Jedoch in den letzten Jahren fiel immer weniger Schnee und manchmal blieben die Wiesen auch im Winter grün. Aber auch das Gedächtnis des Weihnachtsmannes war nicht mehr so wie früher...

Eines Nachts träumte der Weihnachtsmann, dass er den 24. Dezember verschlafen und ganz vergessen hatte, den Kindern die Geschenke zu bringen. Erschrocken fuhr der alte Mann hoch und hörte sein eigenes Herz wild unter dem roten Mantel klopfen. Er war so durcheinander, dass er nicht mehr wusste, ob er alles nur geträumt hatte oder das Weihnachtsfest wirklich schon vorbei war. Einen Kalender hatte er ja nicht, um nachzuschauen.

 Am Morgen stand der Weihnachtsmann frühzeitig auf und besuchte die Schnee-Eule im Wald. Sie war eine kluge Eule und hatte ganz sicher einen Kalender. „Nun“, sagte die Eule, „einen Kalender habe ich nicht, aber ich will einmal nachdenken“. Sie schloss minutenlang die Augen und saß ganz still. Plötzlich riss sie ihre großen kreisrunden Augen wieder auf, so dass der Weihnachtsmann erschrak. „Ich habe in diesem Jahr noch keinen Schnee gesehen“, sagte sie. „Du musst Dir bestimmt keine Sorgen machen wegen des Festes.“ Der Weihnachtsmann hört dies sehr gern und wollte doch zur Sicherheit noch eine andere Meinung einholen.

Er ging darauf hin zum Fuchs. Der Fuchs war unter den Waldtieren berühmt für seine Schlauheit. Aber auch der Fuchs hatte keinen Kalender mehr. „Ich habe ihn bei einem Bauern eingetauscht gegen Hühnereier, denn ich will ein guter Fuchs sein und keine Eier mehr stehlen.“.- „Aber ich hörte die Gänse auf dem Hof schnattern und das ist ein sicheres Zeichen, daß das Weihnachtsfest noch vor uns steht. Am Tag vor Heilig-Abend vestecken sich alle Gänse und geben keinen Laut von sich, denn sie haben furchtbare Angst, als gebratene Weihnachtsgänse auf den Tisch zu kommen.“ - Der Weihnachtsmann war zufrieden mit dieser Auskunft.

Auf dem Rückweg traf er durch Zufall den Förster und erzählteauch ihm sein Erlebnis.
Der Förster wusste Rat. Er hob einen Tannenzweig auf und legte diesen direkt vor die Haustür des Weihnachtsmannes. „Heute ist der 1. Dezember. Morgen legst Du einen weiteren Zweig neben diesen, am 3. Tag wieder einen Zweig nach dem letzten. In dieser Zeit zählst Du die Zweige ab, bis es 24 sind. Hast Du den 24. Zweig gelegt, ist Heilig-Abend. Dann kannst Du beruhigt die Geschenke an die Kinder verteilen. Der Weihnachtsmann freute sich über diese Idee und bedankte sich herzlich beim Förster.

Alle Tiere des Waldes halfen dem Weihnachtsmann nun beim Holzsammeln und jeden Morgen legte eines von ihnen einen Tannenzweig vor des Weihnachtsmannes Tür, bis eine lange Kette entstand. Als der Weihnachtsmann nachzählte, waren es an diesem Tag gerade 24. Den letzten Tannenzweig hatte das Rentier gebracht. Zur Belohnung durfte es nun den Weihnachtsmann im Schlitten zu den Kindern ziehen, denn pünktlich zu Heilig-Abend fiel auch dichter Schnee.

 So kam der Weihnachtsmann zu seinem ersten selbstgebastelten Kalender und die Kinder bekommen noch heute pünktlich ihre Weihnachtsgeschenke. Und weil die Erfindung dieses schönen Kalenders gerade in die Adventszeit fiel, nannte ihn der Weihnachtsmann„Adventskalender“..

 

Karin Fluche

 

Weihnachten - K.F.
Weihnachten - K.F.

 

 

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Johann Wolfgang von Goethe

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

 

Damals sagte ich zu meiner Frau: „Ich werde ein ganz gefährliches Experiment beginnen. Ich werde für das Publikum schreiben, und ich werde so schreiben, dass alle verstehen, was ich meine.“

Marcel Reich-Ranicki (*1920), poln.-dt. Literaturkritiker

 

 

Schreiben ist leicht. Man muß nur die falschen Wörter weglassen.

Mark Twain