Weihnachtsstern für Kathi                                                      

 

Heute konnte die kleine Kathi nun schon das sechste Türchen ihres Adventkalenders öffnen und sie zeigte ihrer Mutter voll Freude einen kleinen silbrigen Stern.

Sie quälte ihre Mutterbereits seit Wochen, ihr einen etwa tellergroßen Glitzerstern zu kaufen, den sie im Kaufhaus einmal gesehen hatte. Diesen wunderbaren Stern hatte sie nie wieder vergessen und nun lebte sein Bild wieder in ihr auf.

„Mama, ein Weihnachtsstern... Schau nur, der sieht ja fast so aus, wie der große aus dem Kaufhaus. Könnten wir nicht hingehen und einen kaufen?“

Die Mutter zeigte sich heute besonders genervt von den vielen Fragen und Wünschen ihrer Tochter, denn sie hatte ja noch so viel andere Dinge bis zum Weihnachtsfest zu bedenken.-

           Sie antwortete daher nicht direkt, sondern zog nur die Augenbrauen hoch. Ein etwas unbestimmter Blick lag in ihren braunen Augen... „Katharina“! sagte sie mit erhobener Stimme und das Mädchen wusste Bescheid. Wenn die Mutter Katharina zu ihr sagte, war die Lage erst, ziemlich ernst. Kathi schwieg dann lieber und verzog sich.

 

         In dieser Nacht erwachte am Himmel ein kleiner unbekannter Sommerstern. Er hatte nur ein schwaches Laternenlicht und war von der Erde aus fast unkenntlich.

Der kleine Sommerstern wollte eigentlich im Juli oder August so gerne eine Reise als Sternschnuppe auf die Erde antreten, so wie viele seiner Freunde.- Jedoch hatte der kleine Stern bereits den liebevollen Beinamen „Schlafmütze“ und tatsächlich, „Schlafmütze“ hatte vor sechs Monaten die Reise der Sterne ins Weltall verschlafen,- hatte unter der Wolkendecke einfach weiter geträumt...

         Eine merkwürdige eisige Kälte hatte die kleine „Schlafmütze“ jedoch in der heutigen Nacht aufgeweckt und beim näheren Umschauen fand sie sich ganz allein in einem fremden Himmelsareal. Kalte unbekannte Sternengesichter blitzten um sie herum, nirgendwo ein freundliches vertrautes Blinken.

Die kleine „Schlafmütze“ schob schüchtern ein paar Lichtstrahlen wie eine Hand zum ihr nächstgelegenen fremden großen Stern. Dieser lehnte den Kontakt jedoch eisig ab, indem er eine Wolke wie ein Tuch vor sein Gesicht zog.- Er war der hellste und größte Stern in der Gürtelschnalle des Winter-Sternbildes „Orion“ und sich seiner Wichtigkeit durchaus bewusst...Der kleine Sommer-Stern weinte vor Enttäuschung und Einsamkeit ein paar Tränen und einige davon fielen als kugelige Eistropfen auf die Erde...

 

Am sehr frühen Morgen, noch war es fast dämmrig, entdeckten Frühaufsteher, darunter auch Kathi und ihre Mutter, kristallklare Eisperlen auf der Straße und ein alter Herr sagte: „Das sind Diamanten des Himmels“.

Der kleine „Schlafmütze“, die sich seit Mitternacht allein auf die Suche nach der Erde gemacht hatte, stand zu dieser Zeit ziemlich tief und silbrig blinkend über der kleinen Stadt.

Das Mädchen Kathi schaute ihn voller Bewunderung an und rief ihrer Mutter zu: „Mama, sieh doch, jetzt ist bestimmt bald Weihnachten – der Weihnachtsstern ist schon zu sehen.“

 

Das Sommersternchen freute sich darüber unendlich, fing an zu tanzen, drehte sich um sich selbst, zog größere Kreise, weiter und schneller... Schließlich verlor er jedoch in seinem Eifer das Gleichgewicht und stürzte auf die Erde, der kleinen Kathi direkt vor die Füße.

Als sie sich jedoch bückte, um den Weihnachtsstern einfach aufzuheben, hatte sich dieser bereits in Luft aufgelöst und nur einen sternenförmigen Fleck auf der dunklen Erde hinterlassen.----

Das kleine Mädchen hatte in der kommenden Nacht einen wunderschönen Sternentraum, der sich noch des öfteren wiederholen sollte.......

Übrigens lag der so sehnlichst gewünschte große Glitzerstern am Heilig-Abend ganz oben auf den Geschenken, die für die kleine Kathi bestimmt waren und es schien, als würde er Kathi anblinzeln...   – 

 

Karin Fluche

Weihnachtskranz - K.F.
Weihnachtskranz - K.F.

 

 

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Johann Wolfgang von Goethe

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

 

Damals sagte ich zu meiner Frau: „Ich werde ein ganz gefährliches Experiment beginnen. Ich werde für das Publikum schreiben, und ich werde so schreiben, dass alle verstehen, was ich meine.“

Marcel Reich-Ranicki (*1920), poln.-dt. Literaturkritiker

 

 

Schreiben ist leicht. Man muß nur die falschen Wörter weglassen.

Mark Twain