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Die gefährlichen Erlebnisse eines Regenwurms                                          

 

Ein älterer Regenwurm lebte seit Jahren mit seiner Familie zufrieden in den dunklen engen Erdröhren unter einem kleinen Rasenstück. Dieses befand sich dicht an der Straße und an manchen Tagen hörte der Regenwurm merkwürdige Geräusche über seinem Kopf, die er sich nicht erklären konnte.-- --

Da er jedoch von Natur aus sehr wissbegierig war, dachte er eines Tages über einen Ausflug an die Erdoberfläche nach.- Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr gefiel ihm der Plan und er besprach daraufhin sein Vorhaben mit der Familie

Diese jedoch hielt die geplante Reise an die „Oberwelt“ für sehr gefährlich. Doch der Wurm besaß einen „dicken Kopf“ und ließ sich nicht von der Reise abbringen.--

 

An einem regnerischen Vormittag stärkte sich der Regenwurm noch ausgiebig zum Frühstück mit Erde, seiner Lieblingsspeise. Dann machte er sich auf den Weg hinauf zur Erdoberfläche. Dazu musste er zunächst mühsam einen Gang graben, um endgültig hinaus zu gelangen.

Als dies endlich geschafft war, war der Regenwurm ganz schön erschöpft und ruhte erst ein wenig aus. Dann schaute er vorsichtig aus einem kleinen Loch in die fremde Welt.

In diesem Moment bekam er sogleich zur Begrüßung einen dicken kalten Regentropfen direkt auf den Kopf und verlor durch die Schwere des Tropfens zunächst sein Bewusstsein....---

Als der Wurm wieder zu sich kam, fand sich er sich auf dem nassen Asphalt am Rande einer Regenpfütze wieder. Ein Windstoß musste ihn dahin getragen haben und fast wäre er hier schon ertrunken. Große Angst überkam ihn und sehr gerne wäre er wieder in sein Zuhause unter der Erde zurückgekehrt.

Aber wo war sein Zuhause, wie kam er wohl dahin zurück?---

Während der Regenwurm so überlegte, musste er sich ständig hin und her winden, um sehr gefährlich aussehenden schwarz-glänzenden Dingern auszuweichen, von denen manche Geräusche von sich gaben, bei vielen klang es etwas gedehnt wie „Quietsch“ und andere machten wiederum hektisch „Klack, klack, klack...“ . ---

 

Als der Wurm endlich wieder Mut geschöpft hatte, rannte plötzlich quer über die Straße ein noch nie gesehener Vierbeiner auf ihn zu, stellte sich genau über ihn, atmete ihn an und sagte „Wau“. Der Wurm verstand diese Sprache nicht und stellte sich sicherheitshalber tot. Damit war er für den ungebetenen Besucher uninteressant geworden und „Wau“ trottete Gott sei Dank weiter.

 

Eine andere lebensgefährliche Attacke erlebte der Regenwurm wenige Minuten später mit einem Vogel, der dicht über den Gehweg flog. Er sah noch einen harten gelben Schnabel, spürte zugleich einen scharfen Schmerz in seiner Taille,...dann wusste er überhaupt nichts mehr...

Der Vogel erschrak jedoch seinerseits über ein rufendes Kind und ließ den Wurm wieder fallen...

 

Als der Regenwurm aufwachte, lag er in einer weichen kleinen Kinderhand. Das Kind sagte zur Mutter in der Kindersprache: „Wum, - Wum“ und trug ihn zurück auf das kleine Rasenstück am Straßenrand.

Der Zufall wollte es, dass der Regenwurm wieder seinen Eingang in die Erde fand und so glücklich nach Hause zurückkehren konnte. Er erzählte der Familie von den gefährlichen Abenteuern, die er auf der Erde erlebt hatte, auch, dass er hier einen Namen erhalten habe und von nun an „Wum“ hieße. Darauf sei er mächtig stolz.

Zurückkehren auf die „Oberwelt“ wolle er jedoch niemals wieder.

 

Karin Fluche

 

 

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Johann Wolfgang von Goethe

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

 

Damals sagte ich zu meiner Frau: „Ich werde ein ganz gefährliches Experiment beginnen. Ich werde für das Publikum schreiben, und ich werde so schreiben, dass alle verstehen, was ich meine.“

Marcel Reich-Ranicki (*1920), poln.-dt. Literaturkritiker

 

 

Schreiben ist leicht. Man muß nur die falschen Wörter weglassen.

Mark Twain